Die Geschichte der Schellackplatten

Die Geschichte der Schellackplatten

Die ersten Grammofonplatten wurden aus Hartgummi hergestellt. Ab circa 1889 wurde jedoch eine Mischung aus Baumwollflocken, Schieferpulver, Ruß und Schellack entwickelt, die es ermöglichte, die Schallplatten in großer Stückzahl und preiswert herzustellen.

Schellack ist ein Naturprodukt; es sind die Ausscheidungen der weiblichen Lackschildläuse, die in Süd- und Südostasien gesammelt, verarbeitet und gehandelt wurden.

Bei der Herstellung wurde die Schellackmischung heiß gepresst, dadurch kam der Schellack an die Oberfläche der Platte und bildete eine glänzende Schicht in den Tonrillen. Das Material nutzte sich beim Abspielen durch Stahlnadeln oder abgerundete Saphire kaum ab. Das war ein Vorteil gegenüber den Wachswalzen, die bei Edison Verwendung fanden. Die Nachteile des Schellacks waren, dass er zum einen sehr spröde war und die Platten schnell zerbrachen, zum anderen temperaturempfindlich war und die Platten bei Hitze oder Sonneneinstrahlung weich werden oder sich verbiegen konnten.

Einige Hersteller versuchten, Schellack einzusparen und versahen die Platten mit einer Pappseele. Diese Methode setzte sich aber nicht durch.

In der Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg war der Nachschub an Schellack eingeschränkt. Daher ging man dazu über, dass bei dem Kauf von neuen Platten alte Schellackplatten abgegeben werden mussten, um so aus diesem Material neue Platten herstellen zu können.

Die ersten Schellackplatten wurden noch ohne Aufkleber produziert; alle Daten wie Hersteller, Liedtitel, Komponist, Interpret oder Orchester wurden eingeprägt oder als Relief aufgebracht. Nachdem die Platten zunächst nur einseitig benutzt wurden, kam es recht schnell dazu, beide Seiten zu pressen. Lediglich bei Album-Platten, auf denen meist Konzerte oder Opern abgespielt wurden, konnte es in späteren Zeiten zu einseitig bespielten Platten kommen, wenn die letzte Seite nicht mehr für das Musikstück genutzt werden musste.

Die meisten Platten hatten einen Durchmesser von circa 25 Zentimetern mit einer Spielzeit von um die drei Minuten. Platten für klassische Musik waren mit 30 Zentimetern Durchmesser etwas größer und liefen etwas länger als vier Minuten. Es gab aber auch Platten ab etwa sieben Zentimetern Durchmesser. Pathé stellte Platten mit bis zu 50 Zentimetern Durchmesser her.

Edison verkaufte ab 1912 mit dem Edison Diamond Disc Phonographen, einen Plattenspieler, der ein ähnliches Abtastsystem wie die Phonographen hatte, jedoch im Vergleich zu den bekannten Schellackplatten mit fünf Millimetern sehr dicke, aber unzerbrechliche Platten mit Tiefenschrift-Tonrillen abspielte. Die Platten liefen auf einer Geschwindigkeit von 80 Umdrehungen pro Minute. Dieses System und das bereits auf dem Markt befindliche System der Grammofone waren nicht kompatibel. 1929 wurde der Versuch, das Diamond Disc-System auf dem Markt zu etablieren, aufgegeben.

Zwar wurden Vinylplatten bereits ab den 1940er Jahren hergestellt. Sie waren nicht zerbrechlich und konnten elektrisch abgespielt werden. Jedoch kamen die PVC-Platten, die mit 33 1/3, 45, aber auch für Sprachplatten mit 16 Umdrehungen pro Minute abgespielt wurden, erst ab Ende der 1940er Jahre in den Handel. Bis die Schellackplatte in Deutschland komplett abgelöst wurde, dauerte es noch bis 1958, in anderen Ländern Europas wurden noch bis in die 1960er Jahre Schellackplatten produziert, in Südafrika gar bis 1972.