Nutzung von Schellackplatten

Nutzung von Schellackplatten

In der Zeit der Grammofone gab es noch nicht so viele Konzertveranstaltungen wie heute. Die Radiozeit begann erst in den 1930er Jahren. Da kamen die Radiogeräte verstärkt in viele Haushalte und halfen bei der Verbreitung von Musikstücken und somit auch dem Bekanntwerden verschiedener Künstler.

Schellackplatten wurden auch in größerer Gesellschaft gehört und diese Tätigkeit war für viele, die sich einen Konzert- oder Theaterbesuch nicht leisten konnten, ein besonderes Ereignis.

Es gab durch die Schellackplatten die Möglichkeit, Tanzveranstaltungen günstiger durchzuführen, da man kein Orchester bezahlen musste. Daher waren Platten mit Tanzmusik sehr gefragt.

Ebenso wie heute waren Künstler bei einem Plattenlabel unter Vertrag. Und es gab auch schon Werbung: Auf den Plattenhüllen, die meist einfach aus Papier bestanden, waren die Künstler, die bei der Plattenfirma unter Vertrag standen, zunächst gezeichnet, später fotografiert, abgebildet.

Viele Plattenlabel hatten ihre eigenen Orchester, so gab es beispielsweise das Beka-Tanzorchester oder bei Vox ein Blasorchester mit Gesang. Das Streich-Quartett Marek Weber spielte 1913 für Polyphon-Record, ab 1919 war Weber dann bei Parlophon, danach bei der Deutschen Grammophon. Ab 1926 wechselte er zu Electrola.

Ebenfalls waren Platten mit klassischer Musik sehr beliebt. Auch Opern und Operetten wurden aufgenommen. Hierbei kamen schnell 20 Platten mit 40 Plattenseiten zusammen, um ein solches Werk abzubilden. Diese Platten wurden komplett in Alben verkauft. Um sie bei Veranstaltungen professionell und ohne Pause abspielen zu können, wurden spezielle Grammofone mit zwei Plattentellern und zwei Tonabnehmern genutzt.

Für Kinder wurden neben Märchen- auch Musikplatten hergestellt, die in den Kinderzimmern auf kleinen Blechgrammofonen abgespielt wurden. Weil es hier häufig dazu kam, dass die Platten zerbrachen, wurden speziell für Kinder die Platten als erste in Vinyl gepresst.

Auch heute werden noch Filme gedreht, die beispielsweise in einer Zeit zwischen 1900 und 1950 spielen und mit Liedern aus dieser Zeit hinterlegt werden. Zum Beispiel findet man die Lieder „It’s a Long Way to Tipperary“ und „J’attendrai“ in dem Film „Das Boot“ von Wolfgang Petersen. „J’attendrai“, das ursprünglich von Rina Ketty gesungen wurde und aus dem Jahr 1938 stammt, wurde 2005 als Reklamemusik für Renault verwendet. Renault nutzte ebenfalls das Lied „La Mer“, das ursprünglich von Charles Trenet 1946 eingesungen wurde.

Noch heute sind Schellackplatten von bestimmten Künstlern begehrte Sammelobjekte und je nach Interpret werden hohe Preise gezahlt. Dabei wird die Menge der Platten immer geringer: Durch das Abspielen leidet die Qualität der Aufnahmen und es gibt immer wieder Bruch. Weiß man nicht, was man da an Schätzen noch im Keller hat, landen die Schellackplatten, häufig sogar mit Grammofon, schnell auf dem Sperrmüll und sind dann unwiederbringlich verloren.