

Ed Partyka "OVERCAST" (Mons Records)
CD's von Bigbands können, wenn dabei auch noch gesungen wird, mitunter recht anstrengend sein. Ed Partyka, der Leiter der Jazzabteilung an der Grazer Kunstuni, hat die Zügel aber fest in der Hand und liefert mit der deutsche Bigband Sunday Night Orchestra ein deutliches Zeugnis darüber ab, wie vielfältig und spannend Bigbands sein können. Efrat Alony, eine israelische Sängerin, trägt ihren Teil dazu bei, dass selbst nach mehrmaligem Hören immer wieder Elemente auftauchen, die man so vorher nicht zu hören vermeinte. Partyka lässt den exzellenten Musikern genübend Freiraum für ihre Soli, kommt aber immer auf den Punkt, bevor es langwilig zu werden droht. Ebenso hält er die Spannung durch wechselnde Besetzungen aufrecht und setzt teilweise sehr sparsam große Akzente. Ein gelungenes Album, das Lust auf große Orchester macht.
Falter - Mai 2008

Vom Hund inspiriert
Gemeinsam mit der israelischen Sängerin Efrat Alony startete das „Jazz Orchester Regensburg“ in die neue Saison.
REGENSBURG. Von Thomas Göttinger, MZ (Oktober 27th, 2009)
So macht Bigband Spaß: Mit Schwung und viel musikalischer Delikatesse ist das „Jazz Orchester Regensburg“ im „Leeren Beutel“ in die neue Saison gestartet. Als Gast mit dabei diesmal: die israelische Sängerin Efrat Alony, die schon länger mit Orchesterchef Ed Partyka zusammenarbeitet. Dass Alonys Hund, genauer: dessen Hundehaare, Partyka zu einer eigenen Komposition für sein Orchester inspirierte, dass dieses Stück, „The Hair Of The Dog“, dann auch noch auf wunderbare Weise deutlich gemacht hat, wie sich zeitgemäß fürs mitunter etwas unzeitgemäße Format Bigband komponieren lässt, war denn auch gleich eine der vielen kleinen Überraschungen dieses weiß Gott nicht alltäglichen Konzertabends.
Überhaupt scheint man sich zum Ziel gesetzt zu haben, den angestammten Bigband-Sound in der Gegenwart ankommen zu lassen und ihn nicht zuletzt auch harmonisch zu erweitern. Wenn Partyka dabei schon mal Anleihen bei der „Minimal Music“ nimmt, wenn beispielsweise Lutz Haefner am Tenorsaxophon und Lorenz Kellnberger, Klavier, in ihren Soli überaus freie, klanglich brillante Gegenpunkte zum mit Frische, Präzision und Strahlkraft spielenden Orchester formulieren, dann hat das schon eine ganz eigene Klasse. Von nostalgisch-betulichem Bigband-Sound, wie ihn etwa neuerdings Roy Hargrove produzieren lässt, jedenfalls keine Spur. Und die Arrangements haben darüber hinaus auch deutlich mehr Raffinesse.
Efrat Alony, mit ihrem kompromisslosen, höchst eigenwilligen, doch nie exaltierten Gesang, mit dunklem, nachgerade geheimnisvollem Timbre, fügt sich da selbstredend perfekt ein und gibt dem Ganzen nicht zuletzt der beiden Eigenkompositionen wegen, die sie, eine vor, eine nach der Pause, beisteuerte, gewissermaßen eine zusätzliche Würze.
Wie gesagt: So macht Bigband Spaß, entsteht eine Musik, die nicht nur die Beine wippen lässt, sondern auch das Hirn höchst angenehm zum Swingen bringt. Bitte möglichst bald mehr davon. Egal wo.
"Jazzahead 2008"
Matinee-Konzerte sind bei Jazzern eher unbeliebt. Der Morgen ist einfach keine Zeit für Jazz. Doch was das Bundesjugendjazzorchester unter der Leitung von Ed Partyka am Sonntagmorgen bot, war frisch, hoch konzentriert dargeboten und mitreißend. Partyka hatte mit seinen jungen Musikern ein Programm zum 20-jährigen Bestehen des Orchesters einstudiert, das Jazzströmungen zwischen 1962 bis in die Gegenwart widerspiegelte: darunter etwa „Evil Man” von Thad Jones, „American Express” von Bob Brookmeyer, „Last Season” von Maria Schneider, „Silent Seekers” von Efrat Alony und „Overcast” von Ed Partyka selbst. Der Bandleader der 41. Arbeitsphase hatte ein schlüssiges Programmkonzept geformt, das die Entwicklungslinien der klassischen Big-Band-Besetzung bis in die aktuelle Gegenwart hinein verfolgt.
NMZ 2008/05
Jazz thing : : CD der Woche 02.04.08
NuBox & hr-Bigband
Limbic System Files
(enja/Soulfood)
Der Wandel vom altbackenen Rundfunk-Tanzorchester hin zu einer ambitioniert aufspielenden Jazz-Big-Band: Die verschiedenen Projekte der hr-Bigband aus den vergangenen drei bis vier Jahre sprechen eine deutliche Sprache. Ein weiteres Indiz für diese grundlegende Veränderung ist auch das neue Album „Limbic System Files”, das dieses Jazzorchester des Hessischen Rundfunks mit NuBox um Reiner Winterschladen, Peter E. Eisold und Alois Kott sowie DJ Illvibe alias Vincent von Schlippenbach aufgenommen und als „Bigbandtronics” beim Deutschen Jazzfestival Frankfurt 2005 uraufgeführt hat. Die Stücke sind eigens für dieses Projekt komponiert, stammen allesamt von Eisold und Kott und sind zudem von dem in Wien lebenden Ed Partyka für die hr-Bigband arrangiert worden. Und es funktioniert tatsächlich: Die elektro-akustischen Experimente zwischen Avantgarde und DJKunst fügen sich aufs Beste und Harmonischste in das Blechund Holzbläserszenario der Band, Illvibes großartig auf den Punkt gebrachte Scratches und seine sensibel eingesetzten Electronics haben nichts Geschmäcklerisches. Und die Solisten (hr-Bigband-Tenorist Tony Lakatos etwa oder eben NuBox- Trompeter Winterschladen) tragen das Ihre dazu bei, um „Limbic System Files” frisch und vital klingen zu lassen.
Martin Laurentius, Jazz thing 73
Klischees
zertrümmert
Bigband beeindruckt mit enormer Bandbreite / Von Pop
bis Zwölfton-Musik
Wo Geld regiert, wirken visionäre künstlerische Konzepte wie schrullige Überbleibsel Iängst vergangener Zeiten. Dass ausgebildete Musiker Chöre und Orchester gründen, ist nichts Besonderes. Doch auch Skeptiker sind von der Dichte und Qualität in der Region beeindruckt. Auch nach dem Ende der Ausbildung an der Mainzer Hochschule fi.ir Musik hält Schlagzeuger Gilbert Kuhn die Bigband,,Kommando Kuhn" zusammen. Dozent, Mentor und Freund Ed Partyka, der mittlerweile als Professor für Musiktheorie und Jazzkomposition in Graz lehrt, arbeitete mit der Kapelle eine knappe Woche an deren Eigenkompositionen und solchen Werken. die er selbst fürs Vienna Art Orchestra und die HR-Bigband geschrieben hatte. Dass das Konzert der 17 Ausnahmemusiker im Staatstheater kabarettreife Züge trug, lag nicht nur am Patchwork-Charakter manch skurriler Kompostionen, in der Bigband-Klischees auf die Spitze getrieben und genüsslich zertrümmert wurden, sondern auch an den schnoddrigen Kommentaren des Leiters zu Musik, Band und Publikum. Als "Teufel im Anzug des Biedermannes" gab Partyka im Staatstheater Gartiges zur Musikrezeption des Massenpublikums zum Besten. Die Band dankte ihm die Auslassungen über Müllmusik und Avanrgarde mit einem Konzert der Superlative. So ging die Bandbreite von Blues, Rock und Funk über Swing und Latin bis zu Minimalismus, Neuer Musik und Free Jazz. Dabei erinnert die Band an die Sechziger von Gil Evans, Don Ellis und Clarke/Boland, die furchtlos ungerade Rhythmen mit dissonanten Arrangements kreuzten.
"The more you drink, the better we sound" war denn auch Partyka's Pausenempfehlung. Denn danach ging es mit Zwölftonmusik, Urschrei-Therapie und Free Jazz in die Vollen. Kuhns dreiteilige Suite ,,Green Ember's Song" machte es möglich, disparate Elemente der Moderne - wie minimalistische Klavier-Gitarre-Interak:tionen und kammermusikalische Bläsersätze- mit frei brodelnden Ausbrüchen zu verbinden. Die Bläserselction ist mit jeweils vier Saxofonen, Posaunen und Trompeten respektive Querflöten und Klarinetten dicht besetzt. Pop und Pathos treffen Blue Notes. Feierliche Hymnen und klassische Klangschönheit verbünden sich mit kubanischen Rumbarhythmen, wie im lazzklassiker ,,St. Thomas" von Sonny Rollins. Glänzend in Szene gesetzte Solisten loten Spielweise und Klangfarben ihres Instruments in inspirierten Improvisationen aus. Am Ende erinnert der Blues der Funeral und Marching Bands aus New Orleans an die Ursprünge der Bigband-Musik.
Mainzer Allgemeine Zeitung, 25. März 2008
"Jazzige Delikatessen" August 2006
Die Ferry Ilg Big Band feierte mit Ed Partyka ihren Dreißiger
Beste Big Band-Tradition in hervorragender musikalischer Qualität bekam die große Fangemeinde der Ferry Ilg Big Band bei deren Jubiläumskonzert zum Dreißiger im familiären Rund des Traunkirchner klosterhofes zu hören. Neben der technischen Cleverness war den Akteuren überschäumende freude an der authentischen Gestaltung, des im ersten Programmteil vielleicht etwas zu jazzlastigen Programmes, anzumerken. Diese stand ganz im Zeichen des amerikanischen Ausnahmeposaunisten Ed Partyka, der mit lässigem Slang auch bei seinen Ansagen sypathisch-humoreske Kurzweil bescherte, ganz abgesehen von den verabreichten musikalischen Kalorienbomben aus seiner Posaune. Sehr witzig das "Duett" mit Tenorsaxofonisten Jürgen Mitterlehner. Ed Partyka's lockerer Führungsstil setzte sich in musikalischen Höhenflügen der trompeter und einem luxuriösen Bläserglanz verbreitenden Posaunensatz fort. Die folgende "Blues-Session" mit Partyka war ein Hörerlebnis für sich.
Kronen Zeitung am 11.4.2004
Eine "Achterbahn an Emotionen" kündigte Ed Partyka mit seinem Concert Jazz Orchestra Vienna an und er behielt mit seiner Prognose Recht: Dir fünf Jahre junge Bigband führte im Porgy & Bess mit Hingabe durch die Höhen und Tiefen ihrer Gefühlswelt. Jazz wird da zum weiten Land der Seele.
Bob Brookmeyers vor zehn Jahren entstandene viersätzige Komposition "Celebration" erstrahlte im breiten Bläserklang des CJOV, das seine sensiblen Fähigkeiten im melancholischen dritten Satz bewies. Gebührend Raum gab's da für Herwig Gradischnigs vielseitig berührendes Saxofonspiel, das sich letztlich mit Thomas Ganschs Trompete ein hitziges, höchst amüsantes, durchwegs brillantes Streitgespräch mit versöhnlichem Ausklang lieferte. Da steht am Ende imponierender Wohlklang.
Ed Partyka persönliche Vorliebe, Kompositionen und Arrangements kraftvoll in Moll anzulegen, ergänzt sich hervorragend mit seinem ausgeprägten spitzbübischen Humor, der durch den amerikanischen Akzent und viel Selbstironie zusätzlichen Charme erhält. Das emotionelle Feuer brennt da lichterloh. Und stets überzeugt dieses Konzert auch durch den unerschöpflichen Ideenreichtum, der in allen Momenten präsent ist.
Dirk Sommer in image hifi 46, 20. Juni 2002
Wie bei allen Quinton-Scheiben - noch sind es ausschließlich CDs, aber noch in diesem Jahr soll ein Teil des Programms auf Vinyl erscheinen - bietet auch hier schon das kunstvoll gestaltete Booklet Anreiz genug, das Album umgehend zu erstehen. Wer dann noch den gekonnt mit Klischees spielenden, dabei aber auch selbstironischen Beitrag des Komponisten, Dirigenten und Arrangeurs des Konzerts für Gitarre und Jazz-Orchester gelesen hat, wird "Continental Call" gewiss nicht wieder aus der Hand geben wollen - auch ohne nur einen Ton gehört zu haben. Dabei allerdings sollte man Vorsicht walten lassen, denn der erste Satz beginnt recht verhalten, und auch der Anfang des zweiten könnte einen dazu verleiten, beherzt am Poti zu drehen, was man dann spätestens bei den brachialen Bläserriffs gegen Ende bereuen könnte. Toningenieur Carlos Albrecht hat hier jede Menge Dynamik eingefangen, überdies wurde beim Mastering auf Limiter verzichtet. Und so lässt sich dann, wenn's die Anlage hergibt, mit kurzfristig fast an Live-Konzerte heranreichender Energie der dichte und intensive Dialog zwischen E-Gitarre und Orchester genießen: eine Schwelgerei in Klangfarben und Rhythmen.
Stereo 07/02 | Berthold Klostermann, 15. Juni 2002
"Concerto for Guitar and Jazz Orchestra" nennt der aus Chicago stammende Komponist und Arrangeur Ed Partyka, Schüler Bob Brookmeyers, sein vierteiliges Werk im Untertitel. Statt sich auf Big Band Konventionen zu stützen, spielt er mit den orchestralen Farben, fächert Holz und Blech differenziert auf und integriert den Hauptsolisten Wolfgang Muthspiel in einen Klangkörper, dessen Potential er von komplex ineinandergreifenden Linien bis zu wuchtigen Klangballungen ausreizt. Avancierte Orchesterarbeit im Gefolge von Gil Evans und Maria Schneider.
Martin Schuster in Concerto, 11. Juni 2002
Fast könnt man meinen, der vor 50 Jahren von Gunther Schuller und John Lewis proklamierte Third Stream würde hier ein neues, kräftges Lebenszeichen geben: Ed Partyka hat mit "Continental Call" eine schillernde, zwischen europäischer Klassischer Moderne und amerikanischer Big-Band-Tradition changierende Partitur geschaffen, welche von insgesamt 19 Musikern umgesetzt wird. Das Concert Jazz Orchestra Vienna bietet dem Komponisten vielfältige Klangmöglichkeiten und intoniert makellos; auch die 4-sätzige Komposition selbst unterstreicht mit ihren ruhigen, weiten Spannungsbögen den orchestralen Eindruck. Die Glanzlichter setzt der CD Wolfgang Muthspiel auf, welcher eher als primus inter pares statt als abgehobener Star das Kunststück zu Wege bringt, eine Stunde lang im Mittelpunkt zu stehen ohne zu langweilen. Ein Klangerlebnis, das sich vielleicht erst beim wiederholten Hören in voller Schönheit entfaltet; ein transkontinentales Gipfeltrefen eines in Österreich lebenden Amerikaners mit einem in Amerika lebendem Österreicher, wie immer bei Quinton mit höchster Transparenz und Klangtreue technisch umgesetzt.
BEIM ERSTEN JAZZDIRIGENTEN-WETTBEWERB
WURDE ED PARTYKA BESTER BIG BAND LEITER
Hamburg (11.1998) - die Sieger im ersten Jazzdirigenten-Wettbewerb Deutschlands stehen fest. Einen solchen Wettbewerb gab es vorher noch nie. Der NDR-Musikpreis, den der Sender seit 1993 für unterschiedliche Musikrichtungen vergibt, schließt diese Lücke. Nun steht fest, wer die Preisträger sind. Zum besten Big Band Leiter kürte die Jury Ed Partyka. In der Vergangenheit gestaltete es sich stets als schwierig, Dirigenten zu finden, die sich mit modernen Partituren von anderen Komponisten auseinandersetzen und eine überzeugende Interpretation mit der NDR Big Band erarbeiten. Der Wettbewerb 1998 hat gezeigt, dass diesem Mangel Abhilfe geschaffen wurde. Es gibt im deutschsprachigen Raum mehr als ein Dutzend gut ausgebildeter Nachwuchs-Bandleader, die auf professionellem Niveau arbeiten. Michael Gibbs, Arrangeur, Komponist und Mitglied der Jury, stellt dazu fest: "Ich bin wirklich überrascht, wie viel junge talentierte Musiker sich hier mit Jazzkomposition beschäftigen, in England ist das nicht so." Noch ein paar Worte zum Gewinner des Jazzdirigenten-Wettbewerbs: Edward Anthony Partyka wurde 1967 in Chicago geboren. Er lernte sein Handwerk in den Vereinigten Staaten, wo er 1990 mit dem "Bachelor of Arts" einen ersten Abschluss erreichte. Seine weitere musikalische Ausbildung (Jazzposaune) erhielt er an der Kölner Musikhochschule. Nach erfolgreichen Abschluss 1993 studierte er bei Bob Brookmeyer Komposition. Er lebt heute in Stuttgart und spielte bei zahlreichen bedeutenden Big Bands als Bassposaunist. Heute leitet Partyka mehrere Big Bands. Für verschiedene Formationen war er als Komponist und Arrangeur tätig.
DER STANDARD 19.06.2001
"Orchestrale Muskelspiele - Neuheiten von Jazzkomponist Ed Partyka"
Wien - Eigentlich mag er ja Gitarren nicht. Diese phallischen Groupie-Instrumente, dank derer man in seiner Jungend oft schon nach frei Akkorden seine Männlichkeit unter Beweis stellen konnte - während er mit einer sperrigen Bassposaune abplagte! Ed Partyka mag aber Wolfgang Muthspiel. Weshalb er den Konzerthaus-Auftrag angenommen hat. jenes Concerto for Guitar and Jazz Orchestra zu komponieren.
Ausgeführt eben von Muthspiel und dem 1999 von Christian Salfellner und Thorsten Benkenstein gegründeten Concert Jazz Orchestra Vienna, das Partyka leitet. Der 33 jährige Chicagoer bevorzugt satte, muskulöse Bläsersätze, kraftvoll schmatzend, hell erstrahlend, in kunstvoller Kontrapunktik ineinander geflochten. Zweifellos hat er, der emsige Bob Brookmeyer Schüler, seine Lektionen in Sachen Jazzgeschichte gelernt.
Die epische Dramatik des Stan Kenton Orchestra, die wuchtigen harmonischen Cluster-Verdichtungen Bob Graettingers, die lyrischen Farbenspiele eines Gil Evans. Ellingtons swingender Jungle-Style: In den Standard-Paraphrasen Togetherness und Madly loving You brachen da gewaltige Klangmassen über das Publikum herein, von Partyka geschickt choreographiert, ohne auf die rhythmische Beinarbeit zu vergessen: Das Orchestra zeigte groovigen Biss, wie es sich für eine gut eingespielte Combo eben gehört. Das uraufzuführende Concerto gab sich verhaltener: Wolfgang Muthspiel exponierte das lyrische, nachdenkliche in weiten Bögen improvisatorisch auszuarbeiten, fortzuspinnen - eher diskret von wiederholten Steigerungen des Orchesters sekundiert. Muthspiel verschenkte keine "Notenköpfe", war in jeder seiner abwechslungsreich ausgestalteten Phrasen um Aussage bemüht.
Respekt, Distanz
Vonseiten des Komponisten schien man nun freilich doch eine Art respektvolle Distanz zu spüren: Das Furioso an Brüchen und Kontrasten, formalen und solistischen Kunstgriffen wich nun weiten Räumen für Gitarrensoli; Dialogmöglichkeiten mit dem Orchester, die sich vor allem aufgrund des des luxuriös besetzten Saxophonsatzes (u.a. Harry Sokal, Herwig Gradischnig, Thomas Kugi) angeboten hätten, wurden nur ansatzweise (Thomas Gansch, Robert Bachner) genützt.
Auch diese 60 Minuten kamen indessen wie aus einem Guss über die Konzerthausrampe. Zweifellos reift in Ed Partyka ein internationaler Hoffnungsträger des Bigband-Genres heran.
JAZZ 'N MORE - - - November 2004
"Generations 2004 - einer der besten Jazzevents Europas!"
&Die Big Band Night im Stadtcasino am Samstagabend bildete den Abschluss des Festivals. Unter der Leitung des Posaunisten Ed Partyka bot das Ensemble, bestehend aus europäischen Spitzenkräften sowie den Dozenten Gardner, Mears, Oatts, Leali und Werner, eine Hommage an das legendäre Thad Jones/Mel Lewis Jazz Orchestra. Ein absoluter Knaller und gewiss ein Höhepunkt, denn qualitativ hinkte diese Band dem Original in keiner Weise nach. Etwas vom Besten, was in dieser Sparte weit und breit seit langem zu hören und zu sehen war. Der Leader Partyka moderierte das Konzert mit viel Humor (the more you drink the better we sound&) und stellte gewisse Möchtegern-Fernseh-Profi-Moderatoren gekonnt in den Schatten. Leichtigkeit und Humor dieser Art sind eben nicht lernbar. Eine "schwingende Sache" (O-ton Partyka) und ein überaus gelungenes "Generations 04" - Festival: Kultur zum Anfassen und ein Genuss für Ohren und Seele!
Ein Boss - zwei Big Bands
Ed Partyka jazzte im Marbacher Seniorenstift Schillerhöhe
In den fünfziger Jahren vertraten deutsche Didaktiker (wie Twittenhof, Gieseler und Rauhe) in diversen Büchlein die Auffassung, dass man mit Hilfe von Jazz im Unterricht schwierige Klassen "zähmen" und diese dann an die wertvolle abendländische Musik heranführen könne. Mittlerweile ist der Jazz längst etabliert und sein Publikum ist vielfach im Rentenalter angelangt - dies lässt sich leicht bei Festivals diagnostizieren. Dem guten alten Rock'n'Roll und gar der Woodstock-Generation geht es nicht viel anders. Wenn nun heutzutage in einem Altersheim Jazz vorgeführt wird, bedeutet dies keineswegs ein Schockerlebnis. So stieß ein Jazzabend im Marbacher Seniorenstift Schillerhöhe auf Wohlwollen und Interesse der Hausbewohner und Gäste von außerhalb. Schließlich trugen noch die humorvollen Ansagen des doppelten Bandleaders Ed Partyka zum besseren Verständnis bei. Der in Chicago aufgewachsene Amerikaner polnischer Abstammung präsentierte in der Schillerstadt gleich zwei deutsche Jazzorchester.
Den Anfang machte die "Big Band Freiburg", die einst mit dem mittlerweile verstorbenen Kenton- und Lehn-Posaunisten Bobby Burgess einen berühmten Leiter hatte. Seit vier Jahren führt nun Edward Anthony Partyka, der im November 1998 bei einem vom NDR ausgetragenen Wettbewerb für junge Jazz-Dirigenten den ersten Preis errang, das Ensemble mit Amateuren aus dem Landkreis Ludwigsburg an. Ein Hobby, für das man gerne Zeit, Probenschweiß und Fahrtgeld opfert.
Duke Ellington, der vor genau 100 Jahren geborene großorchestrale Swing-Künstler, stand im Mittelpunkt des Marbacher Konzerts: ein nostalgisches Wiederhören mit den Hits "Im Beginning To See The Light", "Mood Indigo" und "Don't Get Around Much Anymore". Eine wertvolle vokale Komponente steuerte Gisela Hafner bei, die mit ihrer angenehm rauchigen Altstimme die Themen vorstellte. "In My Solitude" weist nicht etwa auf das Schloss hoch über Stuttgart oder gar dessen Architektur-Adaption als Literaturarchiv in Marbach hin - die Ellington Ballade beschreibt eben programmmusikalisch die Einsamkeit. Im raffinierten Arrangement von Ed Partyka mit den fugativ sich aufschichtenden Akkordballungen klang diese Komposition besonders eindringlich.
Ansonsten würdigten die "Freiberger" andere amerikanische Big-Band-Heroen: Stan Kenton mit dem prallen und progressiven Powerplay, Count Basie mit dem bekannten Neal-Hefti-Arrangement von "Li'l Darlin'". Die begeisterten Jazzliebhaber wagten sich auch an den eher unbequemen Bassisten Charles Mingus, der mit "Jelly Roll" dem Pianisten Morton und der Jazz-Tradition seinen Tribut zollte - und dabei harmonisch schräg blieb. Original-Kommentar von Ed Partyka zuvor: "Sie hören ein paar Dissonanzen gleich. Das sind keine Fehler!". Die Satzleistung der Big Band von Freiburg am Neckar waren durchweg passabel und gut, bei einzelnen Solo-Improvisationen schlichen sich dagegen in der Intonation Trübungen ein.
"Spielst Du in meiner Big Band, spiel' ich in deiner Big Band" - dies ist offenbar das Motto von den beiden Posaunisten Ed Partyka und Ansgar Striepens (Dortmund) sowie dem Pianisten Rainer Tempel (Tübingen). Die Personen-Zahl "13" führt in der "kleinen" Ed-Partyka-Big-Band zum musikalischen Glück. In der Nachfolge von dem subtilen (Miles-Davis)-Arrangeur Gil Evans zaubert der mittlerweile in Stuttgart beim Möhringer Musical-Betrieb tätige Partyka schöne, weiche Sounds. Symptomatisch hierfür: zwei Waldhörner und nur eine reguläre Posaune, oft Flügelhörner anstatt scharfer Trompeten, Querflöten an Stelle von Saxophonen. Sporadisch mischt sich dann Ed Partyka unter die Instrumentalisten und beteiligt sich auf der Tuba oder der Bassposaune brillant am musikalischen Geschehen. Insgesamt eine höchst intellektuelle Musik mit herzhaftem Charme. Neben Stücken von Partyka kommen auch neue Beiträge von Tempel und Striepens zur Aufführung, wobei man sich gerne des "Ur-Materials" von Mingus und Ellington ("In A Mellow Tone") bedient. Wendig als Solist der Trompeter John Marshall von der WDR-Big Band, und auch die anderen Profis fühlen sich bei den Improvisationen wohl.
Das Konzert in der Ed-Partyka-Big-Band in Marbach am Neckar war mehr als nur eine Generalprobe für eine Festival-Performance in der Landeshauptstadt. Und: frischer Jazz hält doch allseits jung - Spieler und Publikum.
Quelle: Text und Foto: Hans Kumpf
